Modeererscheinung oder gesellschaftliches Phänomen?
… und wer ist überhaupt Schuld?

Burnout, ja ich weiss Sie können es vermutlich nicht mehr hören! Die Medien übeschlagen sich mit Sonderheften und Spezialartikeln, jeder Coach, Berater und Therapeut ist versucht sich als Spezialist zu outen, oder hat sogar das Geheimrezept. Ich habe in den letzten Wochen einige Fachartikel von Experten gelesen, die sehr bereichernd waren. Schade, dass aber auch bei diesem brisanten Thema in “Sensationsmanier” zerredet, zerschrieben … wird. Da gibt es Heilversprechen und Schulddiskussionen. Eines sollte nicht passieren, dass es dazu führt zu denken: ach Burnout. Andererseits erlebe ich in auch Unternehmen Manager, die mir z.B. sagen, dass sie Leistungsträger brauchen. Und überhaupt Jammerlappen und Leistungsverweigerer fliegen raus! Letzteres mag ein sehr extremes Beispiel sein, aber es ist eine tatsächlich gemachte Aussage.
Nein – Burnout ist keine Modererscheinung. Ich gebe zu, der Begriff ist “Alles und Nichts”. Na und? Eins steht fest, egal ob die Begrifflichkeit gesicherte Diagnose ist, oder nicht, ob sich darunter alles von Erschöpfung bis Depression verbergen kann: Burnout beschreibt allemal ein Syndrom, einen Prozess der uns nachdenklich machen sollte. Nachdenklich, weil Erschöpfung und psychische Erkrankungen überdimensional anwachsen. Wir kommen nicht umhin, offen zu diskutieren, was dazu führen kann. Im Einzellfall kommen wir nicht daran vorbei zu beleuchten, wie das Zusammmenspiel äußerer und innerer Faktoren dazu geführt haben. Es ist kein Geheimnis, dass es spezielle Persönlichkeitsfaktoren gibt, die man der typischen BURNOUt-Persönlichkeit zurechnet. Der Weg raus aus dem Burnout führt über die SINN – Frage des Betroffenen (häufig unterstützt mittels Coaching, Therapie oder stationärem Aufenthalt ), über Stressbewältigungskompetenz, oft über eine Neuausrichtung des Lebens zurück ins Leben. Betroffene fühlen sich oft schuldig oder minderwertig. “Warum passiert es mir?” Und dabei sind Persönlichkeitsfaktoren eben nur eine Komponente, neben den oft mit einbezogenen speziellen familären Situationen. Wir sollten uns trauen weiter zu diskutieren und uns Fragen stellen: Was hat dies alles mit meinem Unternehmen zu tun, mit seiner Unternehmenskultur? Welche Werte, Führungskultur und Unternehmenskommunikation werden gelebt? Wir können uns trauen noch weiter zu hinterfragen. Was hat Burnout mit unserer Gesellschaft zu tun, mit all dem wie wir Politik und Wirtschaft gestalten?
Burnout muss weiter gedacht werden: es geht um Sinn und Werte. Es geht darum, wie wir mit den Folgen von Globalisierung, Krise, wachsender Komplexität von Arbeitsanforderungen, mit Schnelllebigkeit und Arbeitszeitgestaltung - im Großen wie im Kleinen umgehen möchten. Wir sind keinesfalls machtlos, Burnout ist keine Seuche. Burnout ist Symptom unseres Handelns und damit nicht nur Krise, sondern Chance. In jedem Moment unseres Lebens treffen wir Entscheidungen:
Wir können innehalten und uns uns Fragen stellen, wie wir arbeiten und leben möchten. Nicht immer können wir alles sofort ändern, aber wir haben immer in einem bestimmten Rahmen Handlungskompetenz. Wenn wir uns und das, was uns umgibt, wenn wir unser Leben in Frage stellen, können wir Verantwortung übernehmen. Wir entscheiden uns dann bewusst für oder auch gegen bestimmte Bedingungen. Damit verändert sich viel:
“Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, es ist die Bedeutung, die wir den Dingen geben.”
Epiket
Wir erhalten damit Gestaltungskompetenz, Selbstwirksamkeit. Nach Bandura brauchen Menschen Selbstwirksamkeit, um zufrieden und glücklich sein zu können, um Leistung zu erbringen. Insofern ist Burnout nichts, was es wegzumachen oder zu katastrophisieren gilt, sondern als das zu reflektieren was es ist. Was ich mir wünsche? Eine offene Diskussionskultur, frei von Stigmatisierung, von Verschweigen, von Reduktion auf den Einzelfall oder nur gesellschaftliche Phänomene. Wir haben die Wahl, wir können auch sagen: “Ach Burnout, alles Leistungsverweigerer. Schließlich ist unsere Gesellschaft doch eine Leistungsgesellschaft!”
Mehr zum Thema finden Sie in meinem blog.coaching4change.eu Hier können Sie auch gern mitdiskutieren. Oder Sie schauen einfach am 12.12.2011 beim nächsten AfterWorkCoaching http://blog.coaching4change.eu/p=164 vorbei.
Ich freue mich auf Sie/ Euch
ROCK YOUR LIFE – Gestaltungskraft
Ihre Simone Gerwers